Wissen / Umsetzung

KI im Projektmanagement: Warum wir nicht mit BIM gestartet sind

Von Christopher Duftschmid · 24. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

Wenn ein TGA-Büro über KI nachdenkt, liegt der Reflex nahe: ab in die Planung, BIM, Revit, das Hauptprodukt. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden — und ich erkläre dir, warum das die beste KI-Entscheidung war, die wir bisher getroffen haben.

20–30 % der Arbeitszeit sind kein Produkt

Projektmanagement, Dokumentation, Abstimmung: In einem mittelgroßen Ingenieurbüro frisst das 20 bis 30 Prozent der Wochenarbeitszeit pro Mitarbeiter — Zeit, die nicht in die Qualität der Planung fließt. Mein Gedanke war immer: Wenn wir mehr Zeit hätten, uns um unser Produkt zu kümmern, wäre das unterm Strich der größte Gewinn. Also haben wir die KI nicht auf das Produkt angesetzt, sondern auf alles, was drumherum Zeit frisst.

Der Einstieg: Protokolle, die sich selbst schreiben

Mein allererster Berührungspunkt mit KI im Büro war unscheinbar: die Transkription von Besprechungen direkt in Microsoft Teams. Keine Protokolle mehr schreiben — das war die erste echte Arbeitserleichterung. Danach kamen die Standardarbeiten der Grundlagenermittlung dran: Bestandsunterlagen abfragen, Auftraggebervorgaben einsammeln, Stände dokumentieren. Einfache Tätigkeiten, die in der Dokumentation enorm viel Zeit kosten.

Variantenbetrachtung: Tiefe, die sonst nicht leistbar wäre

Ein aktuelles Projekt: Der Auftraggeber wollte 12 bis 13 Varianten untersucht haben — bei schlechten Bestandsunterlagen, zu einem unmöglichen Zeitpunkt, in einer unmöglichen Zeitschiene. Ein ganz normales Projekt also. In dieser Zeitschiene wäre eine Untersuchung in dieser Breite klassisch schlicht nicht leistbar gewesen — von niemandem.

Mit unserem internen Variantenbetrachtungs-Agenten konnten wir sie liefern: Der Agent trägt die Rohbetrachtung zusammen — Normbezüge, überschlägige Wirtschaftlichkeit, Struktur. Und dann kommt das, wofür unsere Kunden uns beauftragen: Der Ingenieur bewertet jede Variante mit seiner Fachkompetenz, prüft, verwirft, verbessert und spricht eine belastbare Empfehlung aus. Der Wert entsteht nicht beim Zusammentragen — er entsteht bei der ingenieurmäßigen Bewertung. Die KI hat nicht unsere Arbeit ersetzt; sie hat eine Untersuchungstiefe möglich gemacht, die dem Projekt sonst entgangen wäre.

Warum wir (noch) nicht vollautomatisieren

Vollautomatisiert haben wir bewusst nur interne Themen, die nie ungeprüft zum Kunden gehen. Den ersten, zweiten, selbst den dritten Output des Variantenagenten würde ich nicht verschicken — da muss Fachkompetenz drüber. Und beim Kernprodukt kommt die Haftungsfrage dazu: Wenn die KI eine Rohrdimensionierung rechnet und niemand hat draufgeschaut, wird es gefährlich. Der Mensch bleibt im Mittelpunkt — nicht aus Nostalgie, sondern aus Verantwortung.

Wie schnell es sonst schiefgeht: unsere GEG-Lektion

Wie berechtigt diese Vorsicht ist, haben wir selbst erlebt. Der Agent hatte Wärmeerzeugungsvarianten aufbereitet, wir hatten alle drübergelesen — und trotzdem einen wesentlichen Punkt übersehen: Die Variante, für die wir uns ausgesprochen hatten, entsprach nicht dem GEG. Aufgefallen ist uns das einen Tag vor dem Kundentermin. Glücklicherweise fanden wir noch einen gangbaren Weg — aber die Lektion sitzt: Nicht die KI hatte versagt, wir waren nach mehreren guten Ergebnissen zu leichtgläubig geworden.

Seitdem hat der Prüfprozess wieder ein eigenes Zeitbudget, und ein zusätzlicher Agent prüft jede Variante separat gegen definierte Normen wie das GEG. KI kontrolliert KI — und der Ingenieur entscheidet.

Der Blick nach vorn: Autodesk öffnet Revit gerade schrittweise per API auch für uns Planer. Mittelfristig — ich rede von fünf Jahren — wird Planung nicht mehr dieselbe sein. Aber der Einstieg in KI gelingt dort, wo das Risiko klein und der Zeitgewinn sofort spürbar ist: im Projektmanagement.

Wie du solche Agenten für dein eigenes Büro baust — kontrolliert, prüfbar, ohne Programmierkenntnisse — zeigen wir im Kurs Planer der Zukunft.