Löst KI den Fachkräftemangel im Ingenieurbüro?
Wird KI den Fachkräftemangel im Ingenieurwesen lösen? Die ehrliche Antwort: nein. Aber sie wird ihn abpuffern — und zwar erheblich. Davon bin ich fest überzeugt. Entscheidend ist, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen.
Die unbequeme Ausgangslage
Unsere Branche hat ein Demografie-Problem: mehr Abgänge als Nachwuchs. Mit jeder Verrentung verlässt Expertise das Büro, die über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Gleichzeitig kursieren Studien, wonach rund 30 Prozent der Einsteiger-Tätigkeiten durch KI ersetzt werden. Viele werden da nervös: „Gibt es meinen Job bald nicht mehr?"
Ich lese diese Zahlen anders. Wenn Routine-Tätigkeiten wegfallen, heißt das nicht weniger Ingenieure — es heißt: Ingenieure mit anderen Kompetenzen. Die Hochschule München unterrichtet bereits KI in der TGA. Wer künftig aus der Hochschule kommt und mit KI umgehen kann, ist für mich als Arbeitgeber kein Ersatzkandidat, sondern ein Gewinn: Diese Person kann vom ersten Tag an Dinge erledigen, für die wir früher Jahre an Einarbeitung gebraucht hätten.
Der eigentliche Hebel: Wissen festhalten, bevor es geht
Das für mich größte Thema am demografischen Wandel ist der Wissenstransfer. Wie hältst du das Know-how eines Kollegen fest, der in drei Jahren in Rente geht? Die Antwort klingt banal, ist aber die Grundlage jeder KI-Nutzung: Prozesse dokumentieren.
Denn eines haben wir in unserem Büro gelernt: Ohne sauber beschriebenen Prozess bringt dir der beste KI-Agent nichts. Du musst ihn führen wie einen neuen Mitarbeiter — was er sich vorher anschauen soll, in welcher Reihenfolge, worauf es ankommt. Wenn du das nicht artikulieren kannst, liefert er nicht das Ergebnis, das du dir vorstellst. Der positive Nebeneffekt: Wer Prozesse für KI dokumentiert, konserviert damit automatisch das Wissen der erfahrenen Kollegen.
Macht KI jemanden arbeitslos?
Meine ehrliche Einschätzung: ja — aber vor allem den, der sich verweigert. Wer keine Kompetenz aufbaut und das Thema ignoriert, für den besteht eine echte Gefahr. Wer offen damit umgeht, wird nicht ersetzt, sondern effizienter. So können hybride Teams aus Mensch und KI den demografischen Wandel abfedern und das System stabil halten.
Und ein Wort zur Ehrlichkeit, weil gerade viel Schindluder getrieben wird: Nicht überall, wo KI draufsteht, ist KI drin. Manche „krassen KI-Prozesse" sind schlicht klassische Automatisierung mit neuem Etikett — und ein „KI-Laptop" ist am Ende ein Laptop mit leistungsfähigem Chip und vorinstallierter Copilot-Lizenz. Lass dich davon nicht blenden; entscheidend ist, was im Alltag Zeit spart.
Was du jetzt tun kannst
- Dokumentiere die Prozesse deiner erfahrensten Leute — jetzt, nicht im Abschiedsjahr
- Baue KI-Kompetenz im gesamten Team auf, nicht nur bei den „Digitalaffinen"
- Nutze bei Neueinstellungen KI-Kompetenz aktiv als Kriterium
Wie dein Team lernt, eigene KI-Agenten zu bauen und Prozesse KI-tauglich zu dokumentieren, zeigen wir im Kurs Planer der Zukunft.