KI im Ingenieurbüro: So arbeitet das Büro der Zukunft
Ich führe ein TGA-Planungsbüro in München — und seit gut zwei Jahren verändert KI unseren Arbeitsalltag schneller, als es jede Software davor getan hat. In diesem Artikel beschreibe ich, wie das Ingenieurbüro der Zukunft aus meiner Sicht aussieht. Nicht als Theorie, sondern anhand dessen, was bei uns im Büro bereits heute passiert.
Hybride Organisationen: Mensch und KI-Mitarbeiter
Microsoft nennt sie in seiner Work-Trend-Studie „Frontier Firms": Organisationen, in denen Menschen und KI-Agenten als hybrides Team zusammenarbeiten. Die Studie geht davon aus, dass sich dieses Modell innerhalb weniger Jahre durchsetzt — und dass genau diese Firmen die Marktführer von morgen werden. Ich halte das nicht für Marketing-Prosa. Wir arbeiten in unserem Büro bereits so: Neben den Ingenieuren „arbeiten" bei uns spezialisierte Agenten für Variantenbetrachtungen, Protokolle und Auswertungen.
Der entscheidende Rohstoff: deine eigenen Daten
Auf einer Veranstaltung zu KI in der TGA in München habe ich einen Architekten kennengelernt, der mit KI Baugrundanalysen anbietet: Was ein Architekt klassisch in zwei bis drei Monaten prüft — ist ein Grundstück als Bauland rentabel? — erledigt sein System in wenigen Tagen. Sein Satz ist mir geblieben: Die erfolgreichsten Firmen der Zukunft werden die sein, die Herr über ihre eigenen Daten sind.
Und da muss ich ehrlich sein: Auch wir sind es nicht vollständig. Teile unseres ERP-Systems liegen als Cloud-Lösung beim Anbieter — an unsere eigenen, teils sensiblen Daten kommen wir dort kaum heran, bei einem Softwarewechsel womöglich gar nicht mehr. Bei den Projektdaten sieht es anders aus: Die liegen auf unserer eigenen NAS, die per Cloud-Sync mit Microsoft Teams verbunden ist. Ursprünglich habe ich diese Struktur bei der Gründung gebaut, um von überall auf meine Projekte zugreifen zu können. Heute erweist sie sich als Glücksfall — denn KI-Werkzeuge greifen nativ auf SharePoint, Notion & Co. zu. Wir entscheiden, welche Daten die KI sieht und welche nicht.
„Software as a Service ist tot"?
Ein Bekannter aus der Software-Branche erzählte mir, sein Chef sei aus dem Silicon Valley mit einem Satz zurückgekommen: „Software as a Service ist tot." Für seine Firma — einen SaaS-Anbieter — ein hartes Stück. Aber der Kern stimmt: Einfache Software-Funktionen wird die KI Stück für Stück ablösen, weil du deine Daten selbst auswerten kannst, wenn du sie besitzt.
Ein Beispiel aus unserem Büro: Vor einem Jahr wollte ich unsere Projektauswertungen über Power BI abbilden. Ich brauchte jemanden, der sich damit auskennt, habe 300 Euro in eine programmierte Lösung gesteckt — und heute brauche ich das alles nicht mehr. Unser Projektsystem (bewusst selbst gehostet, auf unserem eigenen Server) hat eine REST-Schnittstelle. Auswertungen zu Cashflow und Projektstunden ziehe ich mir inzwischen automatisiert — gebaut mit KI-Unterstützung, ohne externen Programmierer.
Das Büro in fünf Jahren: andere Zusammensetzung
Nehmen wir ein Büro mit zehn Personen. Heute: Geschäftsführung, Assistenz, dazu Ingenieure und Zeichner. Ich glaube nicht, dass diese Zusammensetzung Bestand hat. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, IT- und Datenkompetenz fest ins Ingenieurbüro zu holen — als eigene Rolle, nicht als Nebenaufgabe. Denn wer Herr über seine Daten ist, kann mit KI außergewöhnliche Dinge bauen. Wer nicht, schaut zu.
Was heißt das konkret für dein Büro?
- Kläre deine Datenhoheit. Wo liegen deine Projektdaten, wer kontrolliert den Zugriff — du oder dein Software-Anbieter?
- Starte mit einem Pilot, nicht mit einer Strategie-Folie. Wie, beschreibe ich im Artikel über den ersten Schritt der KI-Einführung.
- Baue Kompetenz im Team auf — nicht nur bei einer Person. Genau dafür haben wir den Kurs Planer der Zukunft entwickelt.
Wenn du strukturiert einsteigen willst: Unser kostenloser KI-Implementierungsplan beschreibt den Weg in drei Stufen — so, wie wir ihn selbst gegangen sind.